Trend-Meinung
Die globale Erwärmung (global warming) und den Klimawandel hat es immer schon mal gegeben. Das ist ein natürlicher Klima-Prozess. In den vergangenen Epochen der Erdgeschichte war es schon deutlich wärmer als heute. Außerdem macht der Klimawandel schon seit 15 Jahren eine Pause, der vorhergesagte Temperaturanstieg fällt aus. Die Klimaprognosen stimmen also nicht. Deshalb muss man sich keine Sorgen machen.

Fakten
Fakt ist: In der Erdgeschichte gab es immer wieder Epochen, in denen die CO2-Konzentration und die Temperaturen auf der Erde deutlich höher waren als heute. Ebenso gab es Phasen, die durch niedrigere Durchschnittstemperaturen gekennzeichnet waren. Eines unterscheidet die heutige Situation aber von der von früher: über 7 Milliarden Menschen leben auf der Erde, die alle ernährt werden wollen und in ihren angestammten Lebensräumen von einem schnellen Klimawandel bedroht sind.



1.    Klimawandel: Was die aktuelle Klima-Situation vom Wechsel der Warm- und Kaltzeiten früherer Zeiten unterscheidet
Generell wechseln sich in der Erdgeschichte Eiszeitalter, die durch eine Vergletscherung der Pole definiert werden, mit Normalphasen ab, in denen die Pole unvergletschert sind. Erdgeschichtlich betrachtet befinden wir uns derzeit mit der vergletscherten Arktis und Antarktis in einem Eiszeitalter, dem sog. Känozoischem Eiszeitalter. Innerhalb dieses Eiszeitalters wechseln sich Kalt- und Warmzeiten ab, die letzte Kaltzeit (umgangssprachlich auch Eiszeit) endete vor etwa 11.000 Jahren. Seitdem befinden wir uns im sog. Holozän, einer Warmzeit, mit entsprechender natürlicher Erwärmung. In den letzten 1.000 Jahren waren die weltweiten Durchschnittstemperaturen - ungewöhnlich lange - relativ konstant. Erst ab dem umfangreichen Einsetzen der Industrialisierung Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts steigen die Temperaturen deutlich schneller an. Auch die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre steigt von da an kontinuierlich und übertrifft frühere Höchstmarken deutlich.

CO2-Konzentration 

2.    Diskussionen um Klimawandel: Mensch, Sonne und das unsichtbare Klimarisiko
In den Diskussionen um den Klimawandel geht es im Kern darum, ob der Ausstoß von Kohlendioxid und anderer Treibhausgase durch den Menschen zu einer signifikanten Änderung des Klimas beiträgt oder ob externe Einflüsse (Sonne, Vulkane, etc.) einen größeren bzw. einen einzig alleinigen Einfluss haben.  

Dass Treibhausgase (u.a. Methan, Kohlendioxid, Wasserdampf) einen Effekt auf das Klima haben, ist hinlänglich belegt. Die Atmosphäre der Erde besteht zu 78 Prozent aus Stickstoff und zu 21 Prozent aus Sauerstoff. Diese beiden Bestandteil machen bereits 99 Prozent der Atmosphäre aus. Die restlichen Bestandteile sind Spurengase, die entweder durch radioaktiven Zerfall entstanden sind (Edelgase wie Argon, Neon) oder zur Gruppe der atmosphären Spurengase zählen (Kohlenioxid, Methan, Schwefeldioxid, Ozon, Wasserdampf). Obwohl die Konzentration dieser Spurengas-Bestandteile in der Atmosphäre also äußerst gering ist, ist die klimatologische und luftchemische Bedeutung und damit die Wirkung auf das Klima umso höher.   

Allein der natürliche Treibhauseffekt bewirkt, dass wir auf der Erde eine mittlere Temperatur von + 15 ° C haben. Ohne diese in sehr geringer Konzentration vorhandenen Spurenlemente würde die mittlere Temperatur der Erde bei -18° C liegen. Damit wird der hohe Temperatur-Hebel dieser geringen Spurengas-Konzentrationen auf die Termperaturen und das Klima deutlich. Umstritten ist lediglich, ob und welcher Temperatur-Effekt auf den vom Menschen verursachten Ausstoß an zusätzlichen Treibhausgasen zurückzuführen ist. In den letzten knapp 60 Jahren wurden durch energiebedingte Prozesse weltweit über 1.000 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre emittiert und dies führte zu dem rasanten Konzentrationsanstieg (s. obere Grafik). Ist dieser schnelle CO2-Konzentrationsanstieg tatsächlich zu gering, um Auswirkungen auf das Klima zu bewirken oder ist das Klimasystem so träge, dass die Folgen erst mit Verzögerung sichtbar werden, dann aber unumkehrbar sind?

Letztendlich gibt es auf der Erde keinen zeitlichen "Probelauf", es gibt keine zweite Chance. Ein einmal durch die Verbrennung fossiler Energieträger in Gang gesetzter Prozess des Klimawandels mit allen Folgen (Ernährungsprobleme, Abwanderung der Bevölkerung, etc.) lässt sich nicht mehr umkehren. Das ist das Klimarisiko, das nicht die heutigen, sondern die zukünftigen Generationen trifft. Klimaskeptiker fordern häufig erst einen absoluten bzw. 100%igen Beweis für den globalen Klimawandel und das Eintreten der damit verbundenen negativen Folgen. Ob dieselben Skeptiker bei einem angenommenen nur 10-prozentigen persönlichem Risiko, dass die Radmuttern am eigenen Auto lose sind, mit diesem Auto fahren würden?


3. Klimaprognosen: Macht der Klimawandel wirklich eine Pause?
Häufig wird von den Klimakritikern darauf hingewiesen, dass die Klimaprognosen falsch sind, weil die globalen Temperaturen seit 15 Jahren nicht mehr steigen und sprechen deshalb auch von einer Klimalüge. Macht der Klimawandel bzw. der Temperaturanstieg tatsächlich eine Pause? Anhand der Grafik zur weltweiten Temperaturentwicklung mit den Daten der NASA bewegen sich die globalen Termperaturwerte weiter innerhalb des Trendkanals. Es bleibt rätselhaft, wie Klimakritiker aus der Gesamtentwicklung der vorliegenden globalen Temperaturverläufe und der Entwicklung der CO2-Konzentrationen zu dem Ergebnis kommen, dass der Klimawandel nicht stattfindet und die Klimaprognosen der Wissenschaftler falsch sind. 

Klima-globale-temperatur-Entwicklung  

4.    Fazit

In der Frage des Klimawandels geht es im Kern der Diskussionen nur darum, ob und wie hoch der Einfluss des Menschen auf das Klima ist. Muss der Mensch sich mit einem Klimawandel abfinden und sich darauf einstellen oder kann die Menschheit aktiv etwas dagegen tun? Das ist die eigentliche Grundsatzfrage, der sich Klimaschützer und Klimaskeptiker gegenüberstehen. Im Ergebnis bleibt den Menschen nur zwei Optionen: sich auf den Klimawandel mit den Auswirkungen und Kosten einstellen und vorsorgen (u.a. höhere Deiche) sowie den Ausbau CO2-freier Techniken (erneuerbare Energien) zu beschleunigen (CERINA-Plan).

Eine Hauptsorge der Klimaexperten ist die hohe Geschwindigkeit, mit der die aktuelle Erderwärmung erdgeschichtlich gesehen abläuft. Damit unterscheidet sich die heutige Situation grundlegend von den vorangegangenen Zeitaltern mit höheren CO2-Konzentrationen und Durchschnittstemperaturen. Das größte Risiko besteht aber für den Menschen selbst: 

globale Bevoelkerungsentwicklung

In den vergangenen Jahrmillionen gab es auf der Erde niemals so viele Menschen wie heute, die ernährt werden wollen. Aktuell leben über 7 Mrd. Menschen auf der Welt und das Wachstum der Bevölkerung hält weiter an. Die Auswirkungen einer globalen, schnellen Erwärmung haben damit deutlich größere Folgen für die Menschheit in ihren angestammten Lebensräumen. Dass es zukünftig vermehrt zu Klimaflüchtlingen kommen wird, dürfte niemanden überraschen, auch wenn die Migrationsentwicklung nicht auf einem monokausalen Grund basieren dürfte. Vor allem bevölkerungsreiche Schwellen- und Entwicklungsländer sind von den direkten Folgen der Erderwärmung wie Ernteausfälle durch Dürren oder von einem steigendem Meeresspiegel in ihrem jetzigen Lebensraum betroffen. Das ist das hohe Klimarisiko, dem die Welt sich gegenüber sieht. Eine Relativierung dieser Tatsache durch den beschreibenden Verweis auf frühere Epochen mit Warmzeiten erscheint im Lichte dieser Zusammenhänge mehr als leichtfertig.




Links
1. Klima und Wetter Online: Temperaturen auf der Erde - in welchen Regionen ist es im Vergleich zum langjährigen Mittel aktuell zu warm und zu kalt
2. Klimadaten, Anomalien und besondere Wetterereignisse auf der Erde: National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA)
3. CO2-Emissionen der Länder und Soll/Ist Investitionen in regenerative Energietechniken 2014, um den globalen CO2-Anstieg zu stoppen - CERINA-Plan

IWR-Pressemitteilungen
und Meldung zum Thema Klima und Klimaschutz

1. Warum der Klimawandel nicht mehr stattfindet (IWR-Meldung v. 23.01.2013)
2. Weltweiter CO2-Ausstoß (1961 - 2011): Weltweit über 1.000 Milliarden t Kohlendioxid


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