Trend-Meinung
Die Netzentgelte steigen wegen des Netzausbaus infolge der zunehmenden Nutzung erneuerbarer Energien (EE-Nutzung). Neue Stromleitungen sind teuer. Dadurch erhöht sich auch der Strompreis.

Fakten
Fakt ist, dass nach dem Jahresbericht der Bundesnetzagentur die Netzentgelte im Jahr 2015 im Vergleich zu 2006 um knapp 11 Prozent gefallen sind. Die Investitionen in die Netze haben die Stromversorger zwischen 1993 und 2003 um über 50 Prozent zurückgefahren. Erst seit 2004 steigen die Investitionen wieder und der Investitionsstau in die Netze löst sich langsam auf. Das Investitions-Niveau von 1993 haben die Netzbetreiber erst im Jahr 2013 wieder erreicht.



1. Investitionsstau: Nachholbedarf beim Netzausbau treibt Kosten
Die Investitionskosten in die Stromnetze werden in den Medien oft ausschließlich als Folgekosten des Ausbaus der erneuerbaren Energien dargestellt. Dieser kausale Zusammenhang ist jedoch nicht haltbar, betrachtet man die Investitionen in die Stromnetze der vergangenen Jahre (1991 – 2015). Im Zuge der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 1998 wurden die Investitionen in die Stromnetze deutlich zurückgefahren. Wurden im Jahr 1993 noch rd. 4 Mrd. Euro in die Stromnetz investiert, gingen danach die Investitionen immer mehr zurück und erreichten 2003 mit 1,7 Mrd. Euro den Tiefpunkt. Erst danach haben die Stromversorger bzw. Netzbetreiber wieder mehr in die Stromnetze investiert. Mit rd. 4,0 Mrd. Euro erreichten die Investitionen erst 2013 wieder das Niveau von 1993.

investitionen stromnetze

Die Folge der geringen Investitionen in die Stromnetze ist ein erheblicher Modernisierungs- und Investitionsstau. Eine eindeutige Trennung zwischen den durch die Energiewende induzierten Netzausbaukosten und Kosten durch Versäumnisse in der Vergangenheit ist nicht möglich. Gleichwohl stellt die ausschließliche Erklärung steigender Netz-Investitionskosten mit dem Ausbau erneuerbarer Energien eine sehr einseitige Betrachtungsweise dar.

2. Netzentgelte trotz Ausbau der Netze und Zunahme von EE-Strom stabil

Trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien und der Stromnetze sind die Netzentgelte in den letzten Jahren zunächst gesunken. Für Haushaltskunden fielen die Netzentgelte von 2006 bis 2011 um immerhin 20 Prozent. Während die Netzentgelte für Haushaltskunden im Jahr 2006 nach Angaben der Bundesnetzagentur noch bei 7,3 Cent pro kWh lagen, betrugen sie 2011 nur 5,8 Cent pro kWh. Auch bei Gewerbe- und Industriekunden sind die Netzentgelte zwischen 2006 und 2011 rückläufig. Die Bundesnetzagentur sieht eine wichtige Ursache für die Verbilligung der Netzentgelte in der 2005 eingeführten Regulierung der Netze. Seit 2012 steigen die Netzentgelte wieder leicht.

netzentgelte

3. Befreiung der Industrie von den Netzentgelten

Firmen mit einem hohen Stromverbrauch (10 Mio. Kilowattstunden bei 7.000 Abnahmestunden pro Jahr) sind seit 2011 von den Netzentgelten befreit. Die Bundesregierung hat das mit einer "netzstabilisierenden Wirkung" von Energie-Großverbrauchern begründet. Durch diese Ausnahmeregelungen verteuert sich der Strom für alle anderen (wie im Falle der Befreiung von der EEG-Umlage), da diese über höhere Netzentgelte die subventionierten Unternehmen mitfinanzieren.
Derzeit prüft die EU-Kommission die Regelungen unter dem Verdacht der unerlaubten Beihilfe.





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